Bockmist und Schlüpfer?

Ein Londoner Agent, dessen Name aus gutem Grund nicht genannt werden soll, gerät etwas unfreiwillig in einen Waffenskandal internationalen Ausmaßes. Spitzfindig, frech und respektlos, gelegentlich linkisch wie ein kleiner Junge, begegnet er Millionären, Waffenhändlern, Geheimdienstlern und spinnt nach und nach ein Netz der Zusammenhänge. Seine Liebe zu einer in den Fall verwickelten Amerikanerin ist jedoch der Aufklärung nicht immer förderlich und bringt ihn in manch heikle Situation. Er wird von einer Misere in die nächste geschubst.

Spannend geschrieben und gekonnt formuliert überrascht Hugh Laurie, der Autor des Romans, mit unerwarteten Ereignissen, Wendungen und Rückblicken, die auch beim Leser ein Gefühl des Erkenntniszuwachses erzeugen und ihn ebenso in Erstaunen versetzen wie den Helden des Buches. Da Laurie die Erzählung in Ich-Form schrieb und der Leser vom Agenten auch direkt angesprochen wird, entsteht eine Komplizenschaft, die Mitleiden, Mitärgern und Mitlachen lässt. Wir besitzen keinen Wissensvorsprung, hängen eher etwas hinterher und versuchen, nichts zu verpassen. Das nimmt dem Ganzen keineswegs das Vergnügen – im Gegenteil. Zusätzlich sorgt der liebenswerte Humor des Autors für flüssigen Lesegenuss und führt geradewegs zum großen Knall.

Zu berücksichtigen ist, dass der Spionage-Roman bereits 1996 unter dem Titel „The Gun Seller“ in England zum Bestseller avancierte und 1997 „Der Waffenhändler“ auch in Deutschland erschien. So manche Formulierung kommt deshalb etwas altbacken daher. An Aktualität hat die Thematik nicht verloren, wird jedoch, und das wiegt schwerer, durch den jetzigen Titel „Bockmist“ ins Lächerliche gezogen. Das Multitalent Hugh Laurie erlangte als „Dr. House“ gerade beim jungen Publikum Kultstatus, weshalb der Heyne-Verlag vermutlich glaubte, mit einer derartigen Titulierung und einem Schlüpfer auf dem Cover diese Zielgruppe zu erreichen. Der Verlag äußerte sich Studioli Weblog gegenüber denn auch positiv: Zwar habe man den Titel lange diskutiert, war aber letztlich der Meinung, der ursprüngliche sei humorlos. Der Titel müsse „plakativ, laut und schräg“ sein und die Verkaufszahlen gäben dem Verlag recht. Doch ob Titel und Cover im Sinn des Autors sind?

Bockmist sind nur der Titel und das Cover, die dem Buch und intelligenten Autor nicht gerecht werden. „Der Waffenhändler“ ist Spannung und Lesespaß.

Advertisements