So ist Paris? Schade!

Hektik, Chaos, Gegensätze, Größe, Masse, Unüberschaubarkeit – all das vermag Cédric Klapisch, der Regisseur von „So ist Paris“, am Beginn seines Films in ausdrucksstarke Motive zu übertragen. Schnelle Schnitte, verzerrte, flimmernde Bilder und dynamische Musik vermitteln den lebhaften Eindruck einer Großstadt, einer Metropole. Doch dann verliert Klapisch jegliches Zeitgefühl und der Zuschauer fragt sich nach gefühlten fünf Stunden „Nimmt das denn gar kein Ende?“.

Der Film zeigt den Querschnitt durch die Bewohner einer Weltstadt: Singles, Ausländer, Arbeiter, Akademiker, alleinerziehende Mütter, Menschen unter Vielen und doch alles Anonyme, alles Einsame. Pierre (Romain Duris), ehemaliger Revuetänzer, erfährt von seiner schweren Herzerkrankung und reißt uns mit in sein tiefes schwarzes Loch. Für ihn ist das Leben zu Ende, einzige Sinnerfüllung erfährt er durch den Blick aus dem Fenster auf Paris. Paris hält jedoch noch weitere Melancholische  bereit, zum Beispiel den allein gealterten Historiker Roland Verneuil (Fabrice Luchini). Er philosophiert sich auf dem Weg der Selbstfindung alla Woody Allen vorbei an einer jungen Geliebten bis zum Psychiater. Sein Bruder Philippe Verneuil (Francois Cluzet), ein kleiner Lichtblick des Films, weil ausnahmsweise glücklich und zufrieden, will aber gar nicht glücklich und zufrieden sein. Was heißt Normalität und ist es denn gut, normal zu sein? Wohl nicht. Jegliches positive Lebensgefühl taucht Klapisch in eine Flut von Depressivität. Pierres Schwester Elise (Juliette Binoche) erlebt keinerlei Unterstützung als sie ihre Kollegen bittet, etwas mehr Zeit für sich zu bekommen, die scheinfreundliche Bäckerin (Karin Viard) demütigt regelmäßig ihre Mitarbeiterinnen und, und, und. Nichts mehr von der Leichtigkeit eines Films wie „L’auberge espagnole„.

Nach der Glücksdosis durch „Happy-Go-Lucky“ folgt nun das Gegengift, für diejenigen, denen Poppy zu viel wurde. Wer Fröhlichkeit und Lebensfreude lieber meidet, fühlt sich in „So ist Paris“ wohler. Doch will man 129 min. lang so viel geballte, schlechte Stimmung ohne Tempo, ohne Anfang und Ende wirklich sehen?

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