Fein hinzulächeln übers große Muss

Früher galt die Weisheit „Wer nichts wird, wird Wirt.“ Heute müsste sie lauten: „Erreichst du keine anderen Ämter, landest du im Callcenter“. Doch die Menschen, die sich in André Erkaus engem, grauem Kölner Callcenter bemühen, möglichst viele Telefon-Internet-Flat-Pakete zu verkaufen, zwangen eher die Umstände in diese Tätigkeit – und überhaupt ist es sowieso nur eine Übergangslösung.

Die selbstbewusste, hochgewachsene Marie (Antje Widdra), alleinerziehende Mutter, nutzt während der Arbeit das Telefon, um sich als Architektin zu bewerben und Sascha (Maximilian Brückner) sieht sich als zukünftigen Star des Entertainments. Nur der menschenscheue Adrian (Johannes Allmayer), der jeden Blickkontakt meidet, scheint in der Welt des Telefonierens seine Heimat gefunden zu haben, hier zeigt er sich als wortgewandter, witziger Charmeur und verkauft nebenbei die meisten Flatrates. In der Welt da draußen, in der nur derjenige etwas erreicht, der sich laut selbst zu vermarkten weiß, hat der liebenswerte Einzelgänger keine Chance.

Regisseur und Drehbuchautor Erkau, der bereits mit seinem Kurzspielfilm „Der Coach“ (2004) in das Callcenter-Milieu eintauchte, wirft auch einen melancholischen Blick auf das Privatleben seiner Akteure, die alle Hadernde sind, mit sich und ihrer engsten Umgebung. Besonders trist mutet der Alltag des Teamleiters Richard Harms (grandios August Zirner) an. Seine krampfhafte Anspannung, die ihm im Callcenter durch zunehmenden Leistungsdruck auferlegt wurde, löst sich auch im Eigenheim nicht, hölzern und steif liegt er auf seinem Entspannungssessel und lässt sich apathisch hernieder sinken. Seine Frau belästigt er mit neunmalklugen Ratschlägen über Management, Kostenersparnisse, Statistiken und Marketing, sie möchte einfach nur, dass er ihr mal zuhört und schließlich rettet auch ein Tanzkurs die Ehe nicht.

André Erkau, 2008 für „Selbstgespräche“ mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet, setzt einer ruhigen Kamera und der beengten, trostlosen Umgebung temporeichen Wortwitz und lorioteske Ruhepausen entgegen, die den Film trotz des gesellschaftskritischen Untertons zu einem sehenswerten Vergnügen machen.

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