Beitrag zur Diskussion über das Niveau des deutschen Fernsehens

Erst jetzt, nachdem Marcel Reich-Ranicki und Elke Heidenreich Machtworte sprachen, raffen sich die Deutschen auf, über das Fernsehen zu diskutieren – ein Medium, das scheinbar maßgebend an der Meinungsbildung, nicht jedoch an der Bildung, beteiligt ist. Die Krise existiert schon lange. Die Lustlosigkeit und Bequemlichkeit der Fernsehmacher führt seit geraumer Zeit zur Verflachung der Inhalte. Und Schuld an allem ist die Quote. Das Publikum wolle das ja alles sehen, das Publikum bestimme ja das Programm, das Publikum sind rund 5000 Deutsche (ausgenommen Studenten, Arbeitslose u. a.), die repräsentativ für 80 Millionen stehen. Und wenn da einer mal einen falschen Knopf drückt, liegt die Einschaltquote des Musikantenstadls bei 10 Millionen. Muss denn Fernsehen dumm sein, weil 100 Deutsche mit einem Quotenmessgerät dumm sind? Kann Unterhaltung nur blöd sein und blöd machen?

Nein. Unterhaltung ist nicht Synonym für Blödsinn, sie kann sich grandios auf intelligentem Niveau bewegen (Tatort, Dr. House, früher Harald Schmidt). Kultur heißt ja nicht nur Sartre, Kant, Bach und Stockhausen, Kultur ist auch „Wer hat Angst vor Virginia Woolf“ (mit Ulrich Matthes und Corinna Harfouch) oder „Durch die Nacht mit Christoph Schlingensief und Christian Thielemann“ (Arte), das macht Freude und nicht dumm. Und selbst wenn das Publikum zur Dummheit neigt, muss das Fernsehen diese weiter fördern? Liest ein Kind nicht gern, genügt es nicht, ihm ein Bilderbuch zu schenken. Man muss mit einem einnehmenden Buch Interesse wecken, Anreize schaffen – das kann auch das Fernsehen. Sehgewohnheiten ändern, nicht die alten bedienen, sondern neue schaffen mit innovativen, begeisternden Ideen, mit geistreicher Unterhaltung. Das bedeutet für die Fernsehschaffenden durch das Watt der Quoten zu stapfen, aber irgendwann wird auch den Zuschauern bewusst, wie unterhaltsam Feridun Zaimoglu und Thees Uhlmann Bogenschießen und sich von der Vielfältigkeit der Sprache berauschen lassen oder Dr. Paal Alfred Dorfer die Welt erklärt. Voraussetzung sind jedoch auch andere Sendeplätze für substanzielle Programme. Der Mensch will fernsehen und er schaut das, was ihm geboten wird.

Das Bewusstsein für Kultur und Bildung muss sich in Deutschland grundlegend ändern, Bildung muss „cool“ und erstrebenswert werden. Im Fernsehen gibt es durchaus Lichtblicke, doch noch ist es zu dunkel.

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