Gräuel hinter farbenfroher Kulisse

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Wie einem Kind den Holocaust erklären? Dass der Spielkamerad und Freund abgeholt wird, um zu sterben, ermordet zu werden? Was soll eine Mutter ihrem Kind da sagen? Verkraftet ein kleiner Junge die Wahrheit?

Bereits Roberto Benigni verwandelte für seinen Sohn in „Das Leben ist schön“ (1997) einen realen Albtraum in eine Fantasiewelt voll guter Laune und Albernheit. Nun lässt auch die Mutter (Julia Jäger) in Jochen Alexander Freydanks Kurzfilm das KZ zum Spielzeugland mit überdimensionalen Teddybären werden, in das der Freund David (Tamay Bulut Özvatan) seine Reise unternimmt. Natürlich will Heinrich (Cedric Eich) das Abenteuer miterleben und macht sich mit seinem winzigen Koffer auf den Weg. Verzweifelt sucht ihn die Mutter, bis sie vor dem Zug über Leben und Tod entscheiden muss.

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Freydank gelingt es, die Absurdität, die Wahllosigkeit und Nüchternheit, mit der über die Wertigkeit eines Menschen und Lebens entschieden wird, zu zeigen, ohne in rührselige Dramaturgie zu verfallen – nur ein Klavier, eine einfache, ruhige Bildsprache, ein gedämpfter Ton. Allein die Selbstverständlichkeit, mit der die Beteiligten die Transporte hinnehmen, schmerzt. Die Mutter ist teilnahmslos und nur in Anbetracht der Gefahr für ihren eigenen Sohn aufgebracht. Da werden doch auch ihre jüdischen Freunde weggeschafft wie Vieh! Doch die Opfer sind schon längst resigniert, ohne Kraft für Gegenwehr. Die Nazischergen ohnehin kalt. Alles ist standardisiert und alltäglich.

Spielzeugland“ berührt gerade, weil er Vieles weglässt – er verfällt weder in Gefühlsduselei noch in Banalisierung. Der ganze Schrecken des Holocaust sitzt in aller Köpfe und dieses Wissen über Gewalt und Willkür nutzte Freydank, um mit Schlichtheit eine stille Traurigkeit zu erzeugen.
Der Oscar 2009 für „Spielzeugland“ ist hoch verdient.

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