Die „Titanic“ ist unsinkbar

MartinSonneborn

Einmal Passagier auf der „Titanic“, immer Passagier auf der „Titanic“ – das hätte den Redakteuren von „Zimmer frei!“ klar sein müssen. Wer den ehemaligen Chef, aber immer noch Herausgeber, des Satiremagazins und dazu Politiker der Partei „Die PARTEI“ einlädt, muss damit rechnen, dass es einen privaten Martin Sonneborn in der medialen Öffentlichkeit nie geben wird. Redakteure der „Titanic“ sind schon aus Selbstschutz nie privat und nie satirefrei, sie verstießen sonst gegen ihre eigene Maxime und setzten sich den Rachegelüsten der Geschmähten aus.

Die Sendung wurde zunächst nicht ausgestrahlt, weil Sonneborn nicht lustig und unterhaltend gewesen sei. Lustig und unterhaltend war er. Nicht unterhaltend und überraschend war Christine Westermanns Naivität, Humorlosigkeit und Unprofessionalität. Satire ist mitunter böse, das weiß man. Aber hat uns Sonneborn nicht wieder die Absurdität gesellschaftlicher und politischer Verhältnisse vorgeführt – und vielleicht auch die Absurdität der Sendung? Leider konnte er immer nur andeuten.

Frau Westermann war empört und völlig überfordert, weil jemand gegen die Gepflogenheiten verstieß. Von Harald Schmidt ist man bissigen Humor gewohnt, von Sonneborn erwartete man Benimm. Dabei boten die Einspieler schon einen schönen Rahmen und eine ideale Sprungschanze für großen Humor. Doch Wester- und Alsmann schafften den Absprung nicht. Hätten sich die Moderatoren von ihrer Routine nicht so fesseln lassen und sich auf ihren Gast eingestellt, wie grandios hätte die Sendung werden können.

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